Digitale Medien-Tools: Anwendungsmöglichkeiten für die Kita-Praxis

Die Bedeutung digitaler Medien und ihrer Tools nimmt auch im beruflichen Alltag der pädagogischen Fachkräfte stetig zu. Die Vielfalt digitaler Anwendungsmöglichkeiten weckt bei vielen Kita-Teams großes Interesse und erzeugt hohen Aufforderungscharakter.

Eine junge Frau sitzt vor dem PC-Bildschirm und lächelt erleichtert in die Kamera
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Bei den Fachkräften steigt die Bereitschaft, digitale „Werkzeuge“ für die unterschiedlichen Aufgabenbereiche in der Einrichtung immer mehr zu nutzen. Evelyn Brandl und Julia Brandl haben das Praxiswerk "Digitale Medien-Tools kompetent und kreativ nutzen" verfasst, das bei Don Bosco Medien erschienen ist. Wir freuen uns sehr, dass sie ihr Wissen im Handbuch Digitale Kita mit uns allen teilen. 

 

Evelyn Brandl, Erzieherin, Dipl. Sozialpädagogin (FH), arbeitet als Dozentin in der ErzieherInnen-Ausbildung, langjährige Erfahrung als stellvertretende Schulleiterin an einer Münchner Fachakademie für Sozialpädagogik, freiberufliche Fortbildungsreferentin und Autorin.

Julia Brandl, Studium „Medien und Kommunikation”, derzeit Master-Studentin „Kommunikationsmanagement und -analyse”, Autorin, praktische Erfahrungen bei Verlagen, PR-Agenturen und Kommunikationsabteilungen sowie als Professoren- und Projektassistenz.

 

Digitale Mindmap, QR-Code oder Cloud – viele pädagogische Fachkräfte zeigen Interesse und Engagement, digitale Medien und ihre Tools kennenzulernen und diese in ihren Arbeitsprozessen einzusetzen. Diskussionen in den Teams führen häufig zu fachlicher Auseinandersetzung, wodurch das Thema nochmals an Bedeutung gewinnt. Wir möchten Ihnen in unserem Beitrag anhand einer Handlungssituation aus der Praxis aufzeigen, wie digitale Medien-Tools in den Kita-Alltag integriert werden können. Dazu stellen wir Ihnen konkret das Tool „digitale Mindmap“ vor.

Stellen Sie sich folgende Praxissituation vor, die sich in den letzten zwei Wochen in Ihrer Einrichtung entwickelt hat:

In Ihrer Kita-Gruppe zeigt der vierjährige Luis seit einiger Zeit verändertes Verhalten. Er ist zurückhaltend und beteiligt sich nur widerwillig am Morgenkreis oder an Angeboten. Zudem stört Luis besonders jüngere Kinder beim Spielen – er beißt und kratzt die anderen Kinder sogar. Im Team beschließen Sie, das veränderte Verhalten von Luis genauer zu beobachten und zu besprechen.

 

Situationen wie diese werden in den Kitas mit Hilfe von Fallbesprechungen erörtert, die dazu beitragen sollen, das Verhalten eines Kindes zu verstehen. Darauf aufbauend kann das Kind dann begleitet und unterstützt werden. Fallbesprechungen sind wichtige Elemente des pädagogischen Alltags und es gibt einige methodische Hilfen, diese durchzuführen.

Eine bewährte Methode ist beispielsweise das Clustern bzw. Mindmapping. Dabei schreibt das Team den Namen des Kindes mittig auf ein Blatt Papier und erweitert die Mindmap um verschiedene Teilaspekte, wie das Verhalten des Kindes in der Gruppe oder pädagogische Interventionen, die sich aus der Fallbesprechung ergeben. Die Arbeit mit einer Mindmap ermöglicht eine gemeinsame Ideensammlung mit vielseitigen Perspektiven und dient als Grundlage für zukünftige Besprechungen, Lösungsansätze oder pädagogische Maßnahmen. So kann das Verhalten des jeweiligen Kindes analysiert, strukturiert und visualisiert werden.

 

Ergänzung bewährter Methoden durch digitale Methoden

Die Herausforderungen der letzten zwei Jahre sowie die fortschreitende Digitalisierung in den Kitas verlangen von den pädagogischen Fachkräften jedoch, ihre Arbeitsweise zumindest in bestimmten Bereichen zu digitalisieren. Zudem zeigen immer mehr pädagogische Fachkräfte Offenheit und Bereitschaft für den Einsatz von digitalen Medien-Tools. Bewährte Methoden wie die des Mindmappings sollen durch digitale Medien und ihre Tools jedoch nicht ersetzt werden, sondern können durch sie ergänzt und erweitert werden. Dadurch entsteht ein Bezug zu aktuellen Medienentwicklungen und auch die Qualität der Einrichtung bzw. der pädagogischen Arbeit nimmt zu. Nachfolgend wollen wir Ihnen aufzeigen, in welchen Aufgabenbereichen Ihres Kita-Alltages Sie digitale Medien-Tools hilfreich einsetzen können. Am konkreten Beispiel des digitalen Mindmaps wird dies praxisnah dargestellt.

 

Was sind digitale Medien-Tools überhaupt?

Digitale Medien-Tools sind Anwendungen, Apps und Programme, die mithilfe von digitalen Medien wie zum Beispiel Smartphones, Tablets oder Laptops verwendet werden können. Beispiele sind ein digitales Mindmap, eine Online-Umfrage, eine Tagcloud oder eine Cloud. Inzwischen gibt es viele verschiedene digitale Medien-Tools, die jeweils unterschiedliche Eigenschaften mit sich bringen. Dazu zählen beispielsweise die ort-, zeit- und geräteunabhängige Nutzung oder der interaktive und kollaborative Charakter.

In welchen Bereichen des Kita-Alltags lassen sich digitale Medien-Tools einsetzen?

Die Vielzahl an Tools und deren Eigenschaften eröffnen ein großes Spektrum an Anwendungsmöglichkeiten. Digitale Medien-Tools sind für das pädagogische Personal wertvolle und nützliche Arbeitsmittel mit großer Wirkung. Sie lassen sich einfach in zahlreiche pädagogische Aufgabenbereiche integrieren: Im Einzelnen sind dies Verwaltung und Administration, Team- und Elternkommunikation, Öffentlichkeitsarbeit sowie Kooperation mit Fachkräften anderer Institutionen. Zudem können Medien und digitale Tools im Rahmen von pädagogischen Aktivitäten eingesetzt und so die Medienkompetenz der Kinder gefördert werden. Die pädagogischen Fachkräfte können die Medien-Tools zur Organisation ihrer Arbeitsprozesse für Planung, Durchführung und Nachbereitung sowie Dokumentation von Angeboten und Projekten nutzen.

 

Konkrete Anwendungsbeispiele

Zum besseren Verständnis finden Sie hier konkrete Anwendungsbeispiele:

  • Digitale Kalender und digitale Ablagesysteme (Clouds) sowie Mindmaps eignen sich besonders für Arbeitsprozesse in Verwaltung und Administration.
  • Präsentationstools, digitale Pinnwände sowie kollaborative Tools ermöglichen die gemeinsame Erarbeitung von Inhalten und die Durchführung von Aktivitäten und Bildungsangeboten.
  • Für die Reflexion und Evaluation von Lernangeboten und Veranstaltungen sind beispielweise Online-Befragungen, interaktive Quiz oder digitale Pinnwände geeignete digitale Tools.

 

Der Einsatz von verschiedenen Medien und die Anwendung digitaler Tools erweitern das Handlungsrepertoire des Teams und bereichern die Arbeitsprozesse in der Kita.

Um sich den konkreten Einsatz digitaler Medien-Tools noch besser in der Praxis vorstellen zu können, zeigen wir Ihnen an der zuvor beschriebenen Handlungssituation auf, wie Sie eine Fallbesprechung mit Hilfe einer digitalen Mindmap durchführen können.

 

Digitale Mindmap: Die digitale Version des Clusterns

Eine digitale Mindmap ist wie die analoge Methode der Mindmap bzw. des Clusterns eine Technik zum Erarbeiten, Strukturieren und Visualisieren eines komplexen Themenbereichs. Digitale Mindmaps werden auf digitalen Geräten erstellt und ermöglichen, dass mehrere pädagogische Fachkräfte zeitgleich von verschiedenen Geräten aus daran arbeiten können.

Vorteile der digitalen Umsetzung: Bereits verschriftliche Gedanken können leicht erweitert und neu strukturiert werden. Dies ist gerade dann hilfreich, wenn mehrere Teammitglieder zusammenarbeiten. Zudem ist die Mindmap direkt digital erfasst und kann einfach archiviert und wieder abgerufen werden. Bei Bedarf kann eine digitale Mindmap auch in eine Präsentation eingebaut werden oder an beteiligte Personen per E-Mail oder Messenger-Dienst versendet werden.

Zu Beginn des Beitrags haben wir Ihnen das Beispiel vom vierjährigen Luis vorgestellt. Sie können in dieser Situation gemeinsam mit Ihrem Team eine Fallbesprechung durchführen und dazu die Methode des Clusterns bzw. Mindmappings verwenden. Diese Methode können Sie nicht nur analog mit Stift und Papier umsetzen, sondern auch in digitaler Form mit dem Tool „digitale Mindmap“.

Als Gesprächsleitung bietet es sich an, bereits zu Beginn ein Raster für die Fallbesprechung in Form eines Mindmaps anzulegen. Wichtige Aspekte wie Verhaltensauffälligkeiten, der Entwicklungsstand oder die familiäre Situation von Luis können bereits als Überpunkte in der Mindmap visualisiert werden – so fällt es den Teammitgliedern später leichter, weitere Ideen zu entwickeln und Gedanken zu strukturieren. Ein beispielhaftes Raster für die Fallbesprechung von Luis sehen Sie in der Abbildung.

 

Die Pädagog:innen ergänzen dann die Mindmap mit ihren eigenen Beobachtungen zu Luis. Einerseits können Gedanken zu den bereits bestehenden Überpunkten aufgeschrieben werden, andererseits können auch neue Aspekte oder Zusammenhänge hergestellt werden. Mit Hilfe der Mindmap werden dann im Teamgespräch alle Informationen strukturiert und in Zusammenhang gebracht.

Dabei wird zum Beispiel deutlich, dass sich die familiäre Situation von Luis seit kurzem durch sein neues Geschwisterchen verändert hat. Mit der Mindmap als Grundlage können Sie dann gemeinsam im Team hilfreiche Interventionen überlegen. Die strukturierte Mindmap kann dann auch als Grundlage für ein Gespräch mit Luis' Eltern dienen.

 

Digitale Mindmap und ihre vielen Anwendungsmöglichkeiten

Wie alle digitalen Medien-Tools lassen sich digitale Mindmaps aber nicht nur in einem einzigen Anwendungskontext einsetzen. Durch die genannten Eigenschaften und Vorteile bieten sie Potenzial für die verschiedensten Situationen in der Kita: Sie können die digitale Mindmap beispielsweise für das Brainstorming zur Konzepterarbeitung oder zur Planung von Projekten und Festen heranziehen. Auch Konflikte mit dem Team oder Eltern können mithilfe einer digitalen Mindmap visualisiert und darauf aufbauend Lösungsstrategien erarbeitet werden.

Bei der Integration digitaler Medien-Tools in den pädagogischen Alltag ist immer Kreativität gefragt. Seien Sie mutig, diese Tools auszuprobieren und haben Sie einen offenen Blick für Situationen, in denen digitale Medien-Tools Sie bei Ihrer Arbeit unterstützen können.

Wenn Sie erlernen möchten, wie Sie eine digitale Mindmap technisch erstellen können, oder neugierig auf weitere digitale Medien-Tools und deren praktische Anwendungsmöglichkeiten sind, dann werfen Sie gerne einen Blick in unser Kartenset „Digitale Medien-Tools kompetent und kreativ nutzen“

 

Fazit

Digitale Medien-Tools sind Anwendungen, Apps und Programme, die mithilfe von digitalen Medien verwendet werden können. Aus ihren vielfältigen Eigenschaften ergeben sich auch für den Einsatz in der Kita ­– zum Beispiel in den Bereichen Organisation, Planung oder Kommunikation – viele Möglichkeiten. Die praktische Anwendungsmöglichkeit von Fallbesprechungen mithilfe digitaler Mindmaps zeigt nur beispielhaft, welches Potenzial digitale Mindmaps und andere digitale Medien-Tools besitzen. Interesse, Kreativität, Mut und Offenheit sind die besten Voraussetzungen, um digitale Medien-Tools und deren Einsatzmöglichkeiten zu entdecken und damit das Aufgabenspektrum in Ihrer Kita weiter zu professionalisieren.

Sie möchten gerne weitere digitale Medien-Tools und deren praktische Anwendungsmöglichkeiten kennenlernen? Im Online-Shop von Don Bosco Medien finden Sie das Praxiswerk "Digitale Medien-Tools kompetent und kreativ nutzen"

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