Digitale Medien in der Kita? 3 Gründe, die dafür sprechen

Neue Medien in Kinderhand - das findet nicht jede:r gut. Warum es dennoch wichtig ist, die digitalen Medien in der frühen Pädagogik aufzugreifen, weiß Medienpädagoge Dario Mahr. In seinem Gastbeitrag setzt er ein Statement.

Kita-Kinder sitzen mit ihrer Erzieherin im Kreis am Boden und arbeiten mit dem Roboter Photon
Lernroboter Photon in der Kita | Foto erstellt von insGraf GmbH
Digitale KitaErzieher:inLeitungTop-NachrichtMedienpädagogik
Digitale Medien in der Kita? 3 Gründe, die dafür sprechen Lesezeit Icon Min Minuten Lesezeit

In unserer modernen Lebenswelt gibt es viel Neues zu erschließen. Dazu gehören auch die digitalen Medien. 

Dario Mahr bringt drei Argumente ein, die als Begründungsrahmen für digitale Medienbildung von Anfang an dienen. Es wird Zeit, sich gemeinsam mit den Kindern auf Entdeckungsreise zu begeben. Aktivierend, bildungsbezogen und ko-konstruktiv. Sind Sie dabei? 

 

Unser Gastautor Dario Mahr ist Medienpädagoge und im Außendienst des Kita-Ausstatters insGraf tätig. "Die Frage ist nicht ob wir digitale Medien nutzen wollen, sondern welche. Ich empfehle, auf Medien mit multifunktionellen Einsatzgebieten wie etwa den Lernroboter "Photon Edu" zu setzen", sagt er. 

Wenn junge Kinder mit digitalen Medien in einem Satz genannt werden, macht sich noch immer Unsicherheit breit. Warum ist es denn so wichtig, neue Medien in der pädagogischen Arbeit der Kita mitzudenken?

Dario Mahr bringt es auf den Punkt, wenn er sagt: "Das Ignorieren neuer Möglichkeiten bedeutet Stillstand für Kinder und damit auch für unsere gemeinsame Zukunft!" Diese zugewandte Haltung kommt nicht von ungefähr: 

 

1. Die Lebenswelt ist digital.

Kinder lernen maßgeblich durch Imitation und wachsen in einer digitalen Welt auf. Sie sehen im Supermarkt ein Display mit Werbung, im Auto ein Touch-Display, Daheim einen Saugroboter oder einen Sprachassistenten wie beispielsweise Alexa. Kinder beobachten Erwachsene ganz genau und nehmen ungefiltert diese Informationen auf.

Wie soll man sich entscheiden zwischen Tabuisierung und Vollausstattung digitaler Medien in Kitas?

Die Antwort darauf: Beides ist richtig und falsch. Es kommt auf den idealen Mittelweg an! Hier spielen sehr viele Faktoren eine Rolle wie zum Beispiel das häusliche Umfeld, das Umfeld in der Einrichtung oder die Persönlichkeit des Kindes.

Entscheidend hierbei ist die Ko-Konstruktion, also kurzum das gemeinsame Entscheiden und Erschließen dieser Medien mit den Kindern zusammen.

 

2. Dialoge über digitale Medien haben Potenzial.

Kinder stellen Fragen. Mit dem Wissen, dass einmal etwas falsch Gelerntes schwerwiegender ist als etwas neu zu lernen, können wir diese Fragen häufig nicht ausreichend wertvoll und altersentsprechend beantworten. 

Es ist wichtig den Kindern genau zuzuhören. Denn in den Fragen stecken nicht nur Ideen für Sie, sondern auch meist einfache Antworten.  

Ein Beispiel hierzu:

Kind: "Warum macht der Roboter das?"

Antwort: "Ich habe ihm mit der App gesagt, dass er starten darf."

 

Entweder reicht dem Kind die Antwort oder es stellt weitere Fragen. So bildet sich ein Dialog zur Förderung der Sprachentwicklung und Kommunikation welcher nicht nur Wissen aufbaut, sondern auch Bindung. Darüber hinaus können Sie anhand der Komplexität der Fragen herausfinden, auf welchem Entwicklungsstand das Kind in diesem Thema ist. Über den Dialog können Sie zusätzlich auch die sozial-emotionale Ebene ansprechen, wenn insbesondere und beispielsweise Ängste vorhanden sind.

Dieses Prinzip funktioniert auch in kleinen und größeren Gruppen (Stuhlkreis), sodass weder eine Einzelbetreuung erforderlich ist noch für jedes Kind ein Medium bereitgestellt werden muss.

 

3. Neue Medien erweitern den Werkzeugkasten.

Das Bildungssystem und die Wirtschaft stehen in Konkurrenz zueinander, wenn es um die Aufmerksamkeit der Kinder geht. Streaming-Dienste, Social-Media und Games sind spannender als Hausaufgaben. Auch zählt die Kita längst, wenn auch nicht offiziell, als Bildungseinrichtung. 

Es steht also die Frage im Raum, wie wir Bildungseinrichtungen transformieren können, ohne einen qualitativen und quantitativen Verlust in der Betreuung zu erfahren. Es folgt eine Integration digitaler Medien in den alltagsorientierten Ablauf einer Kita als Ergänzung des Portfolios. Wichtig hierbei ist zu verstehen, dass diese Medien keinesfalls als Ersatz gesehen werden, sondern als Erweiterung eines sinnbildlichen Werkzeugkastens

Eine offene und neugierige Haltung gegenüber den Interessen der Kinder ist von entscheidender Bedeutung. Superhelden der Kinder aus diversen Serien mögen uns Erwachsene eher negativ auffallen, bieten dennoch eine gute Gelegenheit, um den Einstieg zu erleichtern. Hierbei kann beispielsweise Reflexionsarbeit und projektorientiertes Arbeiten sehr hilfreich sein, in denen digitale Medien selbst nur eine kleinere Rolle spielen zur aktiven Erarbeitung.

Durch die Integration wächst auch das Interesse der Kinder und es findet in Zusammenarbeit mit den Eltern auch ein Ausgleich zur Nutzungszeit statt unter dem grundlegenden Ansatz der Ko-Konstruktion.

 

Empfehlung zum fundierten Medieneinsatz

Abschließend bleibt festzuhalten, dass digitale Medien aufgrund ihrer Komplexität mit multisektoralen Ansätzen im Kita-Bereich schwer zu erfassen sind. Es bleibt zum Schluss eine klare Empfehlung auszusprechen, sich hierzu auch durch externe Experten im Gebiet der Medienpädagogik beraten zu lassen. Wünsche, Ziele und Rahmenbedingungen zu definieren um erste Ansätze verfolgen zu können für einen nachhaltigen Erfolg in der frühkindlichen Bildung und Entwicklung.

Unter meinem Motto "Fragen kosten nichts, sie bereichern uns" stehe ich Ihnen gerne beratend zur Seite.

© Dario Mahr, Medienpädagoge und Außendienst (powered by insGraf GmbH)

Kontakt: d.mahr@insgraf.de

 

Fazit von Jasmin Block

Lebensweltorientierte Pädagogik ist ein vielzitiertes Prinzip früher Bildung und Betreuung in Kitas. Doch wie gelingt es, angesichts der vielen Facetten von Medienbildung einen Überblick zu bekommen und eine sinnvolle Herangehensweise zu entwickeln? Erfahrungsgemäß sind der fachliche Austausch, die Orientierung an Best-Practice-Beispielen und die Fortbildung des pädagogischen Personals wichtige Bausteine, um fundierte Medienbildung von Anfang an umzusetzen. Nur Mut! Es lohnt sich - für alle Beteiligten.