Kita-App soll Arbeit in Zellinger Kindergärten erleichtern

Die Digitalisierung hält nun auch in Zellingens Kindergärten Einzug. Eine neue Anwendung soll die Mitarbeitenden entlasten – etwa beim Austausch mit den Eltern. Wie das funktioniert.

Die stellvertretende Leiterin des Kindergartens St. Sebastian, Anna Gramling (links), und die Gesamtleiterin der Kitas Zellingen, Anja Wiesmann, bei der Nutzung der Kita-App CARE.

Haben die Erzieherinnen und Erzieher jetzt mehr Zeit für die Kinder?

Erzieherinnen und Erzieher haben im hektischen Kita-Alltag schon mit der Betreuung ihrer Schützlinge alle Hände voll zu tun. Hinzu kommen dann aber noch Gespräche mit den Eltern und etliche organisatorische Dinge. Eine Kita-App soll nun die Verwaltung in den Zellinger Kindergärten St. Sebastian und St. Georg vereinfachen und beschleunigen. Außerdem soll damit die Kommunikation mit den Eltern erleichtert werden.

Die stellvertretende Leiterin des Kindergartens St. Sebastian, Anna Gramling, und die Erzieherin und Mutter Katrin Benkert berichten im Gespräch mit dieser Redaktion von ihren Erfahrungen mit der App CARE. Bleibt damit nun mehr Zeit für die Kinder?

Das kann die Kita-App des Hamburger Entwicklers

Und so funktioniert die App: Für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die Leitung und die Eltern gibt es  Gramling zufolge jeweils eine eigene Ansicht. Erstere können auf dem Tablet Termine erstellen, Nachrichten an die Eltern schicken und die Daten der von ihnen betreuten Kinder einsehen – zum Beispiel, wann sie in die Kita kommen, der Geburtstag ansteht, wer die Kinder abholen darf und welche Allergien zu beachten sind.

Die Kindergartenleiterinnen erhalten all diese Daten. Anstatt Elternbriefe zu verschicken und Aushänge zu erstellen, können sie nun leicht über die App Informationen an die Mütter und Väter versenden. Eltern können die App für einen Euro pro Monat und Kind nutzen und darin ebenfalls Termine und andere Daten hochladen – wie etwa Bilder der Abholberechtigten. 

Hat die App den Kindergartenalltag erleichtert?

Gramling bestätigt, dass die App eine "enorme Zeitersparnis" sei, weil sich Informationen einfach und zentral abrufen ließen und man sich so schneller wieder den Kindern widmen könne. Außerdem könne man trotz Corona noch näher in Kontakt mit den Eltern treten. Dadurch seien auch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter entspannter – sie sehen sofort, welche Kinder da sind. Nachteile sieht Gramling keine, laut Entwickler sei die App zudem konform mit der Datenschutzgrundverordnung. Trotzdem hätten sich die Kitas dagegen entschieden, aktuelle Fotos der Kinder an die Eltern zu schicken.

Gramling findet die Aufmachung der App mit den bebilderten Bedienflächen gut verständlich – vor allem für Eltern mit eingeschränkten Deutschkenntnissen. Zwar gebe es auch eine Übersetzungsfunktion, allerdings sei diese noch nicht in genügend Sprachen verfügbar. Positiv hebt sie auch den Kundenservice des Anbieters hervor, wenn es um Vorschläge für neue Funktionen geht: "Wenn man den Entwicklern ein Anliegen schreibt, setzen sie das innerhalb von ein paar Monaten um."

Die App wird allerdings nicht ganztägig eingesetzt. Laut Anna Gramling werden vom Personal dort nur zweimal am Tag Informationen abgerufen, "weil wir vermeiden wollen, dass wir den ganzen Tag am Tablet sitzen". Die Kinder seien schließlich das Wichtigste. Wer nach neun Uhr ein Anliegen hat, der müsse dann in der Kita anrufen oder bis zum Nachmittag warten.

Eltern konnten mitentscheiden, ob die App eingeführt wird

Die Idee für die Nutzung der Kita-App sei im Team entstanden. Mehrere Angestellte hätten Organisations-Apps schon von den Schulen ihrer Kinder gekannt. Außerdem sei über das Thema in einigen Kita-Zeitschriften geschrieben worden. Ein dreiviertel Jahr lang testete die Belegschaft Apps von drei verschiedenen Anbietern.

Bevor die Anwendung schließlich im September 2021 an den Start ging, wurden die Eltern nach ihrer Meinung dazu befragt. 95 bis 99 Prozent von ihnen hätten sich laut Gramling für den Einsatz ausgesprochen. Im Kindergarten St. Sebastian würden tatsächlich alle Eltern die App nutzen, im Kindergarten St. Georg immerhin 98 Prozent. An die übrigen Mütter und Väter verschicke man weiterhin E-Mails. Mit der App hätten es die Eltern aber "deutlich einfacher", sagt Katrin Benkert, die "CARE" auch als Mutter verwendet. Eltern könnten Informationen jetzt kaum noch überlesen und Ausreden bringen. "Man kann nicht sagen, man wusste es nicht."

Anbieter: Nicht genügend Geld für die Digitalisierung der Kitas in Deutschland

Laut dem Entwickler "Carlo and Friends" aus Hamburg wird die "Care"-App mittlerweile in über fünfhundert Einrichtungen in Deutschland, Österreich und der Schweiz genutzt. Das teilt die Presseagentur des Anbieters auf Nachfrage dieser Redaktion mit. Die größte Hürde sei demnach die mangelnde Bereitstellung von Geldern, denn die Kita-Betreiber müssten zunächst in die nötigen Geräte und die Internet-Infrastruktur investieren.

Der Entwickler plädiert deshalb für einen "Digitalpakt Kita" – in Anlehnung an den Digitalpakt Schule – durch den der Bund den Ländern bis 2024 mithilfe einer Grundgesetzänderung erstmals Finanzhilfen für die Digitalisierung der Schulen bereitstellt.

Das Bundesprogramm "Sprach-Kita" half bei der Finanzierung des Projekts

Den Kindergärten in Zellingen wurde die Einführung der App wiederum durch das Bundesprogramm "Sprach-Kita" ermöglicht, das zum Jahresende ausläuft. Es wurde 2016 vom Bundesfamilienministerium zur sprachlichen Bildung von Kindern ins Leben gerufen und 2021 um das Spektrum "digitale Medien" erweitert.

Mit Hilfe des Programms wurde in Zellingen eine halbtägige Fachkraft eingestellt, die die Einführung der App vorbereitet hat. Das Kita-Personal hätte das Projekt laut Gramling aus Zeitgründen sonst gar nicht umsetzen können. Weil es für die App keine Fördergelder gebe, müssten die Eltern die geringen monatlichen Kosten über ihren Beitrag zahlen, den Kitas sei aber über das Bundesprogramm die Anschaffung der Tablets für die Erzieher und Erzieherinnen finanziert worden.

Quelle: Main-Post

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